Der richtige Laufschuh: Tipps & Tricks für den Kauf

Interview Sport Förg

Laufschuhe vom Discounter? „Lieber nicht“, meint Fachberaterin Ursula Saalfrank. „Dann lieber ein günstiges Auslaufmodell wählen“. Was man sonst noch beherzigen sollte, um den passenden Laufschuh zu finden und worauf man beim Kauf achten sollte, erklärt sie uns im Gespräch.

Laufschuhe sind ihr Leben. Seit mehr als 30 Jahren hilft Ursula Saalfrank ihren Kunden, aus dem riesigen Angebot den richtigen Schuh auszuwählen. Als Fachberaterin bei Sport Förg macht ihr niemand so schnell etwas vor: „Ich sehe schon beim Hereinkommen, in welcher Verfassung ein Kunde ist – ob er Laufanfänger ist oder Ballsportler, ob er Verletzungen gehabt hat oder beim Gehen falsch belastet.“ Die langjährige Erfahrung hilft ihr, Kunden schnell mit dem passenden Laufschuh zusammenzubringen.

Frau Saalfrank, was macht einen guten Laufschuh aus?

Die Antwort auf diese Frage ist für jeden Menschen unterschiedlich. Ein guter Laufschuh ist es dann, wenn er für die jeweilige Person der richtige ist. Er muss Ihren persönlichen Anforderungen entsprechen: Trainieren Sie für einen Wettkampf? Oder fangen Sie gerade erst mit Laufen an? Wie ist Ihre Fußform? Ihre Lauftechnik? All das muss berücksichtigt werden, damit Sie mit ihrem Schuh glücklich sind.

Und wie finde ich diesen passenden Schuh für mich?

Wenn Sie vorbereitet in ein Fachgeschäft gehen, werden Sie sich auf jeden Fall viel leichter tun. Bringen Sie ihre alten Laufschuhe mit und orthopädische Einlagen, falls sie welche haben. Und Ihre mentale Liste: Haben Sie Probleme beim Laufen? Zwickt es in der Hüfte? Dann sollten Sie dem Fachverkäufer davon erzählen. Mitbringen sollten Sie außerdem genügend Zeit – eine halbe Stunde mindestens. Seien Sie dabei offen, was die Schuhgröße und Optik und angeht. Ich erlebe es gerade bei den Damen recht oft, dass Sie ihren Schuh gerne in einer bestimmten Größe oder Farbe hätten. Wichtig ist aber die richtige Passform.

Hört sich an, als müsste ich dafür jede Menge Schuhe anprobieren…

Nicht unbedingt. In der Regel probieren Kunden drei bis fünf Paare, bis sie den richtigen Schuh gefunden haben. Wenn Sie mit Ihren alten Laufschuhen hereinkommen, sehe ich daran sofort, wo es Schwachstellen gibt. So fallen schon einige Schuhe aus der Auswahl heraus. Dann schaue ich mir Ihre Füße an. Wie sind sie beschaffen, haben Sie kurze oder lange Zehen? Einen flachen oder hohen Rist? Sind Ihre Füße breit? Schmal? All das schränkt die Auswahl des Schuhs weiter ein. Beim Anprobieren haben Sie dann am linken und rechten Fuß jeweils ein anderes Modell an. Am Laufbild sieht man sofort, welcher Schuh der bessere ist vom Abrollverhalten. So findet man relativ schnell den richtigen für den Kunden.

Wenn man schon mal im Fachgeschäft ist, lohnt es sich dann, sich gleich ein zweites Paar Schuhe zuzulegen?

Wenn Sie nur alle paar Tage laufen, kommen Sie auch mit einem Paar Schuhe zurecht. Anders eine Läuferin, die vier bis fünf Mal pro Woche trainiert: Sie braucht auf jeden Fall ein zweites Paar, damit die Schuhe zwischen den Läufen ordentlich austrocknen können – 48 Stunden sollten schon dazwischen liegen. Denn nur so bleibt die Dämpfung erhalten. Sind das erste Paar Schuhe solche, die gut dämpfen, dann sollte das zweite Paar leichter sein. Damit verändert sich der Laufstil, was gut ist für die Abwechslung beim Training. Mit diesen Schuhen lassen sich dann schnellere Einheiten, Tempoläufe oder Steigerungsläufe absolvieren.

Wie viel sollte ich für einen Laufschuh mindestens ausgeben?

Viele Schuhe unter 100 Euro haben nicht die nötige Stabilität im Mittelfußbereich und der Fersenkappe. Die Dämpfungselemente sind nur in der Ferse. Stellen Sie sich vor, Sie laufen eine längere Strecke und werden müde. Die Körperspannung lässt nach. Wenn Sie dann mit dem Fuß auftreten, wird er mit dem bis zu sechsfachen Ihres Körpergewichts belastet. Die Schuhe müssen das so gut wie möglich abfangen. Jene ab 120 Euro können das. Sie haben die Dämpfungselemente im Fersen- und Vorfußbereich integriert und weisen zudem eine gute Mittelfußführung auf. Nur so erhalten Sie die nötige Stabilität.

Was aber, wenn ich gerade erst mit Laufen anfange und vielleicht noch nicht sicher bin, ob es mir gefällt? Reicht dann nicht ein günstiger Schuh vom Discounter für den Anfang?

Gerade als Anfänger ist es besonders wichtig, dass man einen guten Schuh kauft. Denn dann ist der Muskelbandapparat noch nicht so stabil wie bei fortgeschrittenen Läufern. Da können Sie einiges am Körper kaputt machen. Mein Tipp: Halten Sie nach guten Auslaufmodellen Ausschau. Die gibt es bereits für 70 oder 80 Euro. Das ist nicht so viel mehr, als Sie beim Discounter bezahlen müssen, dafür bekommen Sie aber den nötigen Halt und die bessere Qualität.

Machen Sie eine Laufanalyse, bevor Sie Ihre Kunden beraten?

Wenn Sie eine Filmanalyse meinen, bei der Sie auf dem Laufband per Video aufgenommen werden: Nein, so etwas machen wir nicht mehr. Viele Kunden, die noch nie auf einem Laufband waren, haben damit Probleme. Außerdem sieht man den Kunden nur von hinten, seinen Aufsatzwinkel, ob er proniert oder suponiert, also mit dem Fuß nach innen oder außen kippt. Genauso wichtig ist es aber, all diese Aspekte in der Vorwärtsbewegung zu sehen. Deshalb führen wir Analysen direkt auf der Laufbahn durch. Wir haben eine bei uns im Geschäft, auf der der Kunde ein paar Runden drehen kann. Wir sehen dabei, wie der Kunde nach vorn abrollt, seine Achsstellung von der Seite, ob der Fuß von der Ferse über den Großzehenbereich rund abläuft und vieles mehr. Zudem nutzen wir ein Analysegerät der Firma Currex, mit dem man die Belastung vom Fuß sehen kann, wie stark jemand auftritt, ob beide Füße den gleichen Auftritt haben und so weiter. In Kombination bekommen wir damit alle Informationen, die wir für die Beratung benötigen.

Wann sollte ich einen alten Laufschuh entsorgen?

Ein Laufschuh, der immer gut austrocknen konnte, hält um die 1.000 Kilometer. Als grobe Faustregel gilt: Wenn Sie drei Mal die Woche für eine Stunde laufen, dann hat der Schuh nach einem Jahr seine Dämpfung verloren. Ob das bei Ihren Laufschuhen der Fall ist, können Sie ganz leicht selbst prüfen. Drücken Sie mit dem Daumen vorne in die Sohle hinein. Wenn sie sich dabei im vorderen Sohlenbereich durchbiegt, dann sollten Sie nicht mehr mit dem Schuh laufen. Ein weiteres Indiz sind Altersfalten außen an der Sohle.

Spielt es eine Rolle, auf welchem Untergrund ich laufe? 

Die meisten Laufschuhe sind so ausgelegt, dass man als Hobbyläufer darin auf Asphalt ebenso wie auf Wald- und Feldwegen laufen kann. Für spezielle Läufe wie Bergläufe oder Landschaftsläufe brauchen Sie einen Trainingsschuh mit einer gröberen Sohle und mehr Profil. Solche Trailschuhe eignen sich auch als Zweitschuh für den Winter. Mit den griffigeren Schuhen haben Sie auf unebenem Untergrund einen besseren Grip.

Neben Trailschuhen gibt es noch so viele andere Modelle: Lightweight, Stabil-, Dämpfungs-, Bewegungskontroll- und Barfußschuhe – was empfehlen Sie?

Das kommt ganz darauf an, was Ihre Ambitionen sind. Ein Profiläufer, der einen Marathon unter drei Stunden läuft, nimmt einen Wettkampfschuh mit weniger Gewicht. Damit wird keine Kraft vergeudet und durch die dünnere Sohle ist der Kontakt zur Strecke direkter. Fußballer oder Handballer, die mit dem Lauftraining für eine Ballsportart anfangen, werden eher in Lightweight-Schuhe steigen als welche mit dicker Dämpfung, weil sie das Gefühl für den Boden gewohnt sind. Barfußschuhe werden gerne als Zweitschuhe genommen. Ich kann dabei aber nur dringend raten, dem Körper Zeit zu geben, seinen Muskelbandapparat zu stabilisieren – gerade bei jemand, der sonst immer normale Schuhe trägt. Viele meinen, Sie können Laufeinheiten in Barfußschuhen absolvieren, bekommen dann aber Knie- oder Achillesprobleme. Schlussendlich dreht sich alles um die Frage, wo jemand mit seinem Training hin will. Dann gibt es auch den passenden Schuh dafür.

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